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Geschichtsteil: Byzanz zur Zeiten Theophanus (mit Karte und Zeitleiste)

Die "Makedonische" Dynastie 867 - 1056 (Mittelbyzantinische Epoche)

Es ist erlaubt, über die Rolle Byzanz zur Zeiten Theophanus unterschiedlicher Meinung zu sein: Spricht Franz Georg Maier in der Fischer Weltgeschichte von der "makedonischen Renaissance" und einem "Zeitalter der inneren Festigung und kulturellen Blüte", so denkt Herr Lilie in seiner kurzgefassten Byzanz-Abhandlung aus der Reihe C.H.Beck Wissen kritischer darüber: Byzanz sei lediglich eine "regionale Vormacht" gewesen, hätte in dieser Zeit von den günstigen Umständen profitiert und gerade im Verhältnis zu den Bulgaren sei es 
bezeichnend, daß Byzanz selbst diesen kleinen Staat nur nach langen Kämpfen und mit größter Mühe unterwerfen konnte. So großartig kann die gepriesene Stärke der Byzantiner also eigentlich nicht gewesen sein.
Auch kulturell mußte das oströmische Reich in dieser mittelbyzantinischen Epoche kleinere Brötchen backen. Nehmen wir ein Beispiel aus der Architektur. Wurde in der Hagia Sophia (532 - 37) die Antike vollendet oder noch übertroffen, so führt Arne Effenberger in "Archäologie in Deutschland" aus:
In der mittelbyzantinischen Epoche entstand in Konstantinopel ein gänzlich neuer und sehr viel bescheidener Kirchenbautypus, die Kreuzkuppelkirche.
Bevor wir nach dieser Einführung einen kurzen Abriß der mittelbyzantinischen Epoche präsentieren, gönnen wir uns zunächst einen Blick auf die

Landkarte des byzantinischen Reiches ca. 972:

Karte Byzanz 972
Die Gebiete, die zur Reisezeit Theophanus von den Byzantinern beherrscht wurden, wurden von uns blau unterlegt.

Von Basileios I.  bis Alexander 867 - 913

Es begann mit einem Mord: Der Mitkaiser von Michael III., Basileios, ließ seinen Förderer und rechtmäßigen Throninhaber am 24. September 867 nach einem Gelage im Palast beseitigen und wurde selbst Kaiser.
Basileios verfolgte nach anfänglichem Zögern weiter eine eigenständige Kirchenpolitik Konstantinopels gegen Rom. Militärisch konnten Adriastädte entsetzt, Süditalien gehalten und Vorstöße in Kleinasien unternommen werden. Der Kaiser förderte die Bildung und begann eine lange notwendige Justizreform: Das noch zu Zeiten Justinians in Latein kodifizierte Recht musste den neuen gesellschaftlichen Bedingungen angepasst werden. Basileios I. verunglückte 886 bei einem Jagdunfall tödlich, hatte seine Söhne Leon und Alexander jedoch bereits früh an der Regierung beteiligt, daher gab es bei der Nachfolge keinerlei Unklarheiten.
Als Leon VI. trat der erste Sohn 886 die Herrschaft über Konstantinopel und das byzantinische Reich an. Durch den vielseits gebildeten Patriarchen Photias erzogen, hatte der neue Kaiser günstigste Voraussetzungen, um Gesellschaft, Rechtsleben, Verwaltung und Armee auf neue Grundlagen zu stellen. Etwas, was sein Vater bereits begonnen und seine Nachfolger fortführen würden. Leon ging vor allem als Gesetzgeber in die Geschichte ein, den Beinamen "Der Weise" trug er zu Recht. Da kann es auch weise sein, die eigenen Gesetze (hier die Ehegesetze, nachdem eine dritte Ehe verboten war) zu übertreten, um einen Thronfolger zu zeugen und dem Reich Kontinuität zu geben. Dazu musste León sogar viermal heiraten.
Militärisch ging Sizilien endgültig verloren, gegen die Bulgaren gab es Niederlagen und bei den fortgesetzten Kämpfen gegen die Araber konnte zunächst die Seeüberlegenheit der islamischen Geschwader nicht gebrochen werden.
Als Leon 912 starb, war sein Sohn Konstantin erst 6 Jahre alt. Leons Bruder Alexander übernahm deswegen zunächst die Kaiserwürde. Den von seinem Bruder entmachteten Patriarchen Nikolaos Mystikos gab er das Amt zurück. Den Bulgaren unter Symeon verweigerte er Tributzahlungen, die seit den Niederlagen von seinem Bruder vertraglich vereinbart worden waren. Aber bevor Kaiser Alexander sein Reich gegen die Bulgaren rüsten konnte, verschied auch er und Byzanz geriet in eine kritische Lage.

Zar Symeon, Romanos I. Lekapenos und Konstantin VII. 913 - 959

413 hielt nur noch Patriarch Nikolaos Mystikos das Reich für den Thronerben Konstantin zusammen, als der Bulgare Symeon mit seinen Kriegern vor die Mauern von  Konstantinopel vorstieß, angesichts der Verteidigungsanlagen der Haupstadt aber Verhandlungen anbot. Ursprünglich hatte Symeon vorgehabt, den Thron von Konstinopel selber einzunehmen und Byzanz mit Bulgarien zu vereinigen, nun musste er sich damit begnügen, vom Patriarchen Nikolaos Mystikos zum Zaren von Bulgarien gemacht zu werden, konnte sich durch das Verlöbnis seiner Tochter mit Konstantin aber alle Möglichkeiten offen zu lassen: Entweder für einen dauerhaften Frieden oder für einen erneuten Griff nach dem Kaiserthron in der byzantinischen Hauptstadt.
Nachdem die Kaiserin Zoe und die antibulgarischen Kräfte in Konstantinopel Nikolaos Mystikos absetzen konnten, nahm dies Zar Symeon zum Anlaß, 914 Thrakien zu besetzen, Adrianopel zu erobern und bis 923 fast ganz Griechenland zu verwüsten. Ein byzantinischer Gegenschlag wurde vernichtend geschlagen.
In dieser heiklen Situation schrie alles nach einem "starken Mann". Die von den Bulgaren geschlagenen Generäle kamen dafür nicht in Frage. So war es der Oberbefehlshaber der Flotte, Romanos Lekapenos, der aus bescheidenen Verhältnissen nun zum Mitkaiser (zeitweilig Hauptkaiser) wurde und seine Tochter Helene dem jungen Kaiser Konstantin 919 zur Frau gab, nachdem er Kaiserin Zoe und alle ihre Vertrauten aus den Ämtern verdrängt hatte. Kaiser Romanos Lekapenos vermochte es auch, militärisch das Blatt zu wenden. Zwar glückten ihm keine große Siege über die Bulgaren, aber mit Hilfe von Ungarn, Serben und Kroaten gelang es ihm, die Bulgaren hinreichend zu beschäftigen, während die militärischen Erfolge im Osten mit der Einnahme Edessas gekrönt wurden.
Kaiser Romanos I. Lekapenos hatte eigentlich vorgehabt, eine eigene Dynastie zu gründen, aber unerklärlicherweise schlug er nach dem Tod seines Lieblingssohns Christophoros den legitimen Thronfolger Konstantin VII. zum Hauptkaiser vor.  Die übrigen Söhne stürzten nun ihren Vater und verbannten ihn auf eine Insel im Marmarameer, wo er vier Jahre später starb. Konstantin VII., dem niemand Ehrgeiz zugetraut hätte, gelang es, die Aufrührer abzuwehren und mit der Krönung seines Sohnes Romanos II. die Thronrechte seiner Familie abzusichern.
Konstantin VII. setzte die Politik von Romanos Lekapenos fort. Militärisch hielt er Frieden mit Bulgarien und setzte auf weitere Expansion an der Ostgrenze.  Besonders die diplomatischen Anstrengungen des Kaisers sind herauszustreichen: So bemühte er sich um freundliche Beziehungen zum Kalifen in Córdoba, zu den Kiewer Rus und dem Reich der Ottonen. Allerdings fiel den Byzantiner trotz eigener Einrichtung eines bulgarischen Zaren die Anerkennung eines fränkisch-sächsischen Kaisertums immer noch schwer.

Zeitleiste:

867 - 886 Basileios I.
Anfang 10. Jh.:
- Endgültiger Verlust Siziliens an die Araber
- Bulgarische Expanision unter dem Zaren Symeon
- Allmähliches byzantinisches Übergewicht in Kleinasien, Rückeroberung einst verlorener Gebiete.
886 - 912 Leon VI., der Weise
912 - 913 Alexander
913 - 959 Konstantin VII.
920 - 944 Romanos I. Lekapenos, Mitkaiser
959 - 963 Romanos II.
960 - 961 Rückeroberung Kretas.
963 - 969 Nikephoros II. Phokas: Verstärkte byzantinische Offensiven in Kleinasien und  Syrien
969 - 976 Johannes I. Tzimiskes
976 - 1025 Basileios II. :
Nach anfänglichen Bürgerkriegen und der erneuten Unabhängigkeit Bulgariens Weiterführung der Expanision im Osten, erneute Unterwerfung Bulgariens (bis 1014) und Konsolidierung der byzantinischen Position auf dem Balkan, in Unteritalien und in Kleinasien.
1025 - 1028 Konstantin VIII.
1028 - 1034 Romanos III. Argyros
1034 - 1041 Michael IV.
1034 Zoe und Theodora
1042 - 1055 Konstantin IX. Monomachos
ab 50er Jahre Expansion der Normannen in Unteritalien und der Seldschuken in Ostkleinasien.
1054 Schisma zwischen Rom und Konstantinopel.
1055  - 1056 Theodora (erneut)

Die Epoche der Eroberungen 959 bis 1025

Begonnen hatte die Epoche der Eroberungen noch unter Romanos II. mit der Eroberung von Kreta im Sommer 960. General Nikephoros Phokas, der für diesen Sieg verantwortlich zeichnete, erhielt dank seiner Truppen nach dem ungeklärten Tod Romanos II. die Kaiserwürde und setzte diese Politik mit Operationen gegen Sizilien, in Syrien, an der bulgarischen Grenze und mit der Eroberung von Zypern fort. Die Beziehungen zu den Ottonen verschlechterten sich durch die Einflussnahme von Otto I. auf Capua und Benevent und der angedrohten Eroberung von Bari. Pläne Ottos, seinen Sohn mit Anna, der Tochter Romanos II., zu verheiraten, waren damit einstweilen vom Tisch. Aber der General Nikephoros war als Kaiser nicht beliebt und die Kaiserin Theophano, die bereits mit dem Tod ihres ersten Ehemanns Romanos II. in Verbindung gebracht wurde, arbeitete an seinem Sturz: General Johannes Tzimiskes übernahm die Ermordung des Kaiser und erbte, aber erst nach Erledigung der strengen Bedingungen des Patriarchen, u.a. die Verbannung Theophanos, das Amt seines Vorgängers.
Drei außenpolitische Aufgaben hatte Johannes Tzimiskes zu bewältigen: Die Fortführung des Krieges gegen die Araber mit Operationen bis nach Palästina hinein, die Einverleibung Bulgariens in das Reich und eine diplomatische Einigung mit den Ottonen. Zwar bekamen die Sachsen nicht die pupurgeborene Anna, sondern nur die junge Nichte des Kaisers, Theophanu, ca, 960 geboren, aber sie gaben sich damit zufrieden und verzichteten derart aufgewertet, und vielleicht auch von der reichen Mitgift geblendet, sogar auf den römischen Kaisertitel. Was Byzanz betraf,  war Otto I. nur Kaiser der Sachsen und Franken.
Basileios II. , einer der beiden Söhne von Romanos II., ist der letzte der "Eroberungskaiser". Es gelang ihm nach einer schweren Zeit der Bürgerkriege, Bulgarien erneut zu unterwerfen und die byzantinischen Positionen in Kleinasien bzw. im Nahen Osten und in Unteritalien zu konsolidieren. Basileios konnte sogar nach der Eroberung von Capua sogar daran denken, einen erfolgreichen Feldzug gegen Sizilien zu planen. Byzanz war stärker denn je, als er 1025 starb.

Das Ende der Dynastie 1025 - 1056

Konstantin VIII. und seine Töchter Zoe und Theodora bestimmten maßgeblich das Ende der Dynastie mit. Maier, Autor des Bandes Byzanz der Fischer Weltgeschichte, gelingt es, das innerpolitische Verderben des Reiches kurz und prägnant zusammenzufassen:
Der fortschreitende Machtgewinn der großgrundbesitzenden und ämterbeherrschenden Aristokratie hat schließlich das Verschwinden der Bauern- und Soldatengüter zur Folge, auf welche die früheren Kaiser Militärpotentiale und Steuerkraft des Reiches gegründet hatten.
D.h. Byzanz hatte im 11. Jh. ein ernstes Strukturproblem, das die Steuerkraft schmälerte und die Militärpotentiale verringerte.
Aber es gab auch äußere Feinde: Immer mehr normanische Söldnerführer agierten in Süditalien, z.T. von Byzanz selbst angeworben und gerufen, schlugen sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie eigenständig agieren würden. So eroberten die Normannen nicht nur von 1042 bis 1071 die byzantinischen Gebiete in Süditalien, sondern auch Sizilien, ja, sie begannen sogar auf dem Balkan zu operieren. Die Balkanvölker schüttelten zeitgleich die Vorherrschaft der Oströmer ab. Noch gefährlicher: Seit 1055 operierten die turkstämmigen Seldschuken, die Vorfahren der Türken, von Bagdad aus, hatten seit 1028 große Teile Vorderasiens erobert und schlugen 1071 die Byzantiner bei Manzikert vernichtend, womit Byzanz fast alle kleinasiatischen Gebiete mit einem Schlag verlor. Die größte Gefahr für das schwächelnde Reich ging aber vom aggressiven Kriegeradel des erstarkten Mitteleuropas aus, wie sich in der Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204 bestätigen würde. Ein Grundstein dafür war das große Schisma (Kirchenspaltung) zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche von Byzanz und der römisch-katholischen Kirche 1054, hervorgerufen durch die Unversöhnlichkeit beider Seiten bei, aus unserer Sicht heute, minderen theologischen Problemen. Die endgültige Trennung der römisch-christlichen Kirche in eine Ost- und eine  Westkirche war somit das letzte große Ereignis im Zeitalter der Theophanu.

Inhalt:

Quellen:

Archäologie in Deuschland 4, 2004.
Geschichte des privaten Lebens, Band 1. Vom Römischen Imperium zum Byzantinischen Reich / Paul Veyne. - Augsburg : Weltbild Verlag, 1999. - 621 S.:Il
Lilie, Ralph-Johannes: Byzanz : Geschichte des oströmischen Reiches 326 - 1453 / Ralph-Johannes Lilie. - München : Beck, 1999. - 127 S.: Ill.
Völker, Staaten und Kulturen : Ein universalhistorischer Atlas - Braunschweig : Westermann, 1998. Weltbild Weltgeschichte (ehemals Fischer Weltgeschichte), Band 13. Byzanz - Augsburg : Weltbild, 1998. - 443 S.: 22 Abb.

Kartenquelle: Weltbild Weltgeschichte (ehemals Fischer Weltgeschichte), Band 13. Byzanz - Augsburg : Weltbild, 1998. S.232

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