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Abenteuerteil: Die Ankunft in Magdeburg

Herbst / Winter 972: Weihnachten in Frankfurt

Mitte September 972 brachen wir von St. Gallen aus wieder in Richtung Norden auf. Je weiter sich unsere Gruppe nördlich der Alpen befand, desto größer wurde unsere Sehnsucht nach dem lebhaften Konstantinopel. Denn unsere Augen erblickten in fast absoluter Regelmäßigkeit ein paar Nadelbäume, dann ein paar fast blattlose Bäume, dann wieder ein paar Nadelbäume usw. Ganz selten durchquerten wir mal ein Dorf, dessen Einwohner ihren Herrscher Otto vermutlich zum ersten und auch letzten Mal sahen. Noch schlimmer wurde die Reise, als Ende Oktober auch noch Schneefall einsetzte. Ein riesiger Lichtblick in dieser endlosen Langeweile war das immer näher rückende Weihnachtsfest. Otto hatte beschlossen es in Frankfurt zu verbringen. Die Feierlichkeiten zu der Geburt unseres Herren Jesus Christus brachten die erhoffte Abwechslung und gaben uns viel Kraft für die weitere Reise. Mit viel Optimismus brachen wir kurz nach den Feierlichkeiten wieder nach Norden auf.

Palmsonntag 973 in Magdeburg

Weberei im MittelalterAllerdings wurde unsere mühsam wieder aufgebaute Lebensfreude durch den immer noch anhaltenden Schneefall schnell zerstört. Die einzigen Ausruhmöglichkeiten waren die kurzen Stopps in den verschiedenen Pfalzen bei denen unsere Herrin Theophanu Ottos Untertanen vorgestellt wurde und wir unsere durchgefrorenen Glieder etwas aufwärmen konnten. Einen kurzen Abstecher machte Otto II. mit seiner jungen Frau zur Pfalz Tilleda, die er ihr bei der Hochzeit als Morgengabe (Absicherung der Ehefrau) übereignet hatte. Dort gab es sogar eine Heizung, an der wir uns aufwärmen konnten.
So verging Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat, bis wir schließlich Anfang März (es war endlich wärmer geworden und hatte aufgehört zu schneien) in einer Stadt namens Magdeburg ankamen. Stadt, was heißt hier Stadt ? Eine Stadt war unser Konstantinopel. Selbst das ruinöse Rom oder das norditalienische Pavia mochten sich noch Stadt nennen, aber dieses von einem Holzzaun geschützte und mit zwei, drei Kirchen aus Stein und ansonsten Lehm- und Holzhütten bestehende Dorf, konnte sich doch keine Stadt nennen! Aber dennoch war dieses am Elbstrom gelegende Kaff die Residenz der mächtigen Sachsenkaiser.
Die Tatsache, dass wir am Palmsonntag, genau ein Jahr nachdem sich Ottos Stellvertreter Hermann Billung erdreistet hatte, Ottos Platz bei den Feiern einzunehmen, ankamen, zerschlug jegliche Zweifel an Ottos Autorität. Nachdem wie üblich Otto Theophanu vorgestellt, in seiner Abwesenheit entstandene Missstände beseitigt, Recht gesprochen und wir alle an einem Gottesdienst teilgenommen hatten, brachen wir auch schon wieder auf. Das Ziel lautete diesmal Quedlinburg, weil sich der gesamte Hochadel und zudem ausländische Gesandten dort versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu feiern. Damals wussten wir jedoch noch nicht, dass es das letzte Fest für Otto sein würde.

Damit endet die Geschichte der Rebekka. Weiteres zur Ankunft von Otto in Magdeburg kann unten in der Chronik nachgelesen werden.
Bilderklärung:
Wie auf dieser Abb. sahen die Hochwebstühle auf der Pfalz Tilleda, die Theophanu besuchte, aus.

Inhalt:

Dokumentation: Aus den Annalen von Magdeburg:

Das Jahr 973.

Nachdem aber der Kaiser Otto selbst ruhmreich über die Völker Italiens, ja von ganz Europa triumphirt und des römischen Reiches Würde vortrefflich erhöht hatte, wie der oben erwähnte Papst Johannes bezeugt, von welchem er der Erhabenste der Erhabenen, der dritte nach Constantin und Karl genannt worden ist, - als dieser, sage ich, endlich das geliebte Sachsen wiedersah, feierte er den ersten Palmsonntag [16. März] nach der Einsetzung des Erzbisthums in seinem Magdeburg (ach, das letzte Fest in seiner Gegenwart!) zusammen mit der verehrungswürdigen Kaiserin Adelheid und seinem Sohne, dem gleichnamigen Kaiser. Festhaltend an den heiligen Gebräuchen pflegte er sich dann an Festtagen von den Bischöfen und allen Geistlichen in feierlicher Prozession zum Abend- und zum Frühgottesdienst und zur Messe geleiten zu lassen, und dort blieb er mit großer Furcht und Achtung des Herrn stehen oder sitzen, ohne von etwas als von göttlichen Dingen zu sprechen, bis alles beendet war; dann kehrte er mit vielen Kerzen und einem großen Gefolge von Priestern, Herzogen und Grafen in seine Wohnung zurück. Daselbst nun hat er am Montage, d. h. am 17. März, in der bekräftigenden und geneigten Gegenwart Aller den Reichthum der Kirche mit einer Menge kaiserlicher Geschenke vervielfacht und das, was er damals oder früher übergeben hatte, mit dem schriftlichen Zeugnisse getreuer und zuverlässiger Leute bestätigt, indem er (ein unschätzbares Gelübde seiner frommen Absicht!) hiermit gleichsam als mit den Erstlingen kundgab, mit welchen Wohlthaten er in der Zukunft diejenige Kirche zu vergrößern beabsichtigte, welche er auch schon früher, als er sich in Italien befand und durch seinen Kapellan Dodo und Andere viele Heiligenleiber und unzählige Reliquien übersandte, durch den Schutz derselben erhöht hatte.

Weblinks:

Die Königspfalz Tilleda

Bildquellen:

Abb. aus Spuren der Jahrtausende, Stuttgart, 2003.

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