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Kulturteil: Rom, geistliches Zentrum päpstlicher Macht

Lateran, Petersbasilika und frühchristlicher Kirchenbau

Baptisterium des LateranNicht der Vatikan, sondern der Lateran war im Frühmittelalter das Zentrum der päpstlichen Macht.

Zwar fand die Hochzeit der Theophanu in der alten fünfschiffigen Peterskirche, dem Vorläufer der heutigen Peterskirche statt, aber das Zentrum der päpstlichen Macht lag auf dem Lateran. Während das übrige Rom jahrhundertelang mehr oder weniger dem Verfall anheimfiel, Rom wie ein Dorf gegen die Weltstadt Konstantinopel wirkte, blieb der Lateran doch ohne weiteres ein prachtvoller Ort, auf dem der päpstliche Palast neben der Lateranskirche (zunächst Erlöser, dann St. Johannes-Basilika) und dem Lateranbaptisterium (siehe Foto, Quelle: Wikipedia ) stand. Kaiser Konstantin begründete den Lateran als christliches Zentrum. Der Hügel wurde nach seinen Ursprungsbesitzern, der Familie Laterani benannt.  Auf dem Lateran entstand unter Kaiser Konstantin die Residenz des Bischofs vom Rom und die Lateransbasilika als offizielle Bischofskirche (bis heute).  Bis 1309 blieb der Lateran auch die Residenz der Päpste,  ab 1377, nach der Rückkehr aus Avignon,  zogen die Nachfolger des Apostels Petrus auf den Vatikan. Zur Zeit des Aufenthaltes von Theophanu residierte Papst Johannes XIII. (965 bis 972) im Lateranspalast. Er war ein Papst von Gnaden der Ottonen.

Die Petersbasilika

Die zwei anderen großen Basiliken der christlichen Frühzeit, die Paulsbasilika und die Petersbasilika, beide über den vermuteten Gräbern der jeweiligen Apostel errichtet, entstanden vor den damaligen Mauern des konstantinischen Roms. 324 wurde der Bau der Basilika St. Peter begonnen, 326  bereits  geweiht. Die Raumfolge war auf einer Achse ausgerichtet und bestand (im Folgenden die Farben wie unten auf den Abb.) aus Atrium , der Vorhalle (Narthex) für Büßer und Ungetaufte, der fünfschiffigen Kirchenhalle und dem anschließenden Presbyterium (für die Priester vorbehaltener Kirchenteil). Die Basilika römischen Typus wurde von einem Querschiff  für liturgische Zwecke begrenzt, an dem sich noch die halbrunde Apsis anschloss. Damit begann die Entwicklung des T-förmigen bzw. später kreuzförmigen Grundrisses im Kirchenbau. Ein wichtiges Kennzeichen der konstantinischen Basilika war die Abkehr vom römischen Gewölbebau und das Einziehen einer Flachdecke (hier mit Kassettierung).
Da die Lateransbasilika stark barockisiert wurde, die Petersbasilika 1506 abgebrochen wurde, um dem heutigen Petersdom Platz zu machen, ist von den drei konstantinischen Basiliken der Frühchristenheit nur noch in der Paulsbasilika ein Eindruck zu bekommen. Zwar brannte auch dieser Bau 1823 ab und wurde beim Wiederaufbau in einigen Details verändert, aber der oben erwähnte architektonische Aufbau blieb annährend erhalten.

Frühchristlicher KirchenbauPetersbasilika

Auch wenn das Zentrum römischer Macht (siehe dazu unsere Artikel zu Byzanz) sich nach Konstantinopel verlagerte, hatten doch die römischen Basiliken großen Einfluß auf die Bauweise von Gotteshäusern im ganzen christlichen Bereich. Das zeigte sich besonders bei der Flachdecke.
Die Entscheidung Konstantins für die Flachdecke läßt für 700 Jahre die großräumige Wölbungstechnik der Römer nahezu in Vergessenheit geraten ...
Wilfred Koch Bd. Sakralbau, S.43
So wird die Westausrichtung der Basilika in Fulda, Mainz und anderen Orten nachgeahmt, die Kreuzform bestimmt bald den Kirchenbau im ganzen Abendland.
Lediglich in Ländern, die noch lange eigene Liturgien pflegten, sind andere Kirchenbautraditionen zu beobachten. Zum Beispiel wurden die westgotischen Kirchen in römischer Bautradition gewölbt, bereits im Nachfolgekönigreich Asturien, wo der päpstliche Einfluß größer war, kann man Gewölbe westgotischer Tradition und Flachdecken und Ausmalung nach römischen Beispiel nebeneinander entdecken.

Inhalt:

Weblinks:

Ausführliche Informationen über den Lateran bietet ein Wikipediaartikel

Die Paulsbasilika, auch aus der Wikipedia

Textquellen:

Brockhaus multimedial 2000, - Mannheim : Bibliogr. Inst., 1999.
dtv Atlas Baukunst 1, München : Deutscher Taschenbuch Verlag,  1997.
Baustilkunde / Wilfried Koch. - 11. Aufl. - München : Bertelsmann, 1993.
Bildwörterbuch der Architektur / Hans Koepf. - 3., überarb. Aufl. - Stuttgart : Kröner, 1999
Marchi: Große Sünder, große Kathedralen, Bergisch Gladbach, 1992.
Für die Informationen über Westgoten und Asturien danken wir unserem Bibliothekar, Torsten Kreutzfeldt.

Bildquellen:

Das Bild ist aus dem Lateranartikel der Wikipedia, leicht bearb. und angepasst von der Bibinautika.
Die Abb. der Petersbasilika sind der Baustilkunde / Wilfried Koch. - 11. Aufl. - München : Bertelsmann, 1993, entnommen.

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